200 ehemalige Mitbürger kehren beim Dorffest zurück / Anreise aus Kanada und Norderney
Horst Weber grüßt mit "Moin", wo sonst ein "Guude" üblich ist. Seit 41 Jahren lebt er mittlerweile auf Norderney, das macht die Sprachwahl verständlich. Gut sechs Jahre seines Lebens hat er allerdings in Springen verbracht und dahin ist der 69-Jährige nun zurückgekehrt anlässlich des großen Dorffestes.
Insgesamt 250 ehemalige Mitbürger hatte der Festausschuss ausfindig gemacht und angeschrieben. Rund 200 sind nun zu dem Fest mit dem Motto "Einmal Springer, immer Springer" angereist, schätzt Klaus Weber, der Sprecher des Ausschusses. Insgesamt feiern wohl weit über 300 Gäste in der Dornbachhalle und das ist "mehr als gedacht".
Der Tag ist natürlich ein nostalgischer mit vielen Erinnerungen. Horst Weber etwa weiß noch, wie er sich 1944 beim Schlittenfahren den Arm brach, nach Bad Schwalbach ins Krankenhaus musste, wo es beim Eingipsen Fliegeralarm gab. Der Besucher von der Insel Norderney ist dabei kein geborener Springer. 1940 kam er in Köln zur Welt, zwei Jahre später geriet seine Familie im Zuge von Evakuierungen nach Springen. In Laufenselden lebten Vorfahren, mit Klaus Weber muss er außerdem über etliche Umwege verwandt sein.
Die Schule, die Horst Weber besuchte, existiert nicht mehr: "Da ist heute ein Garten, aber das Lehrerhaus steht noch." Ende 1948 ging es zurück nach Köln. Heute dreht Rückkehrer Weber einen DVD-Film für andere Ex-Springer, die es nach Schottland und in die USA verschlagen hat.
Christa Froese hat sich selbst aus Übersee auf den Weg gemacht. Sie hatte die längste Anreise, denn seit 40 Jahren ist Kanada ihr Zuhause, sie wohnt in Winnipeg, der Hauptstadt der Provinz Manitoba. Aufgewachsen ist sie jedoch als Christa Lohr in Springen. Vor drei Jahren war sie zuletzt anlässlich der goldenen Konfirmation im Dorf, das sich "sagenhaft verändert" habe. Jedenfalls sei der Ort heute nicht mehr gleichzusetzen mit dem des Jahres 1956, in dem sie als 14-Jährige Springen verließ. Christa Froese staunt über die "riesigen Paläste" im Neubaugebiet. Ihr Elternhaus habe der neue Besitzer "wunderbar renoviert", findet sie.
Zum Fest gehört auch eine Foto-Ausstellung im Gerätehaus der Feuerwehr. Auf alten Bildern aus der einklassigen Schule können sich viele Zeitgenossen wieder erkennen. Die Kinder sind nummeriert, eine Liste darunter gibt so weit wie möglich Auskunft über die Namen. Kugelschreiber hängen an den Stellwänden für Ergänzungen parat. Manche Aufnahmen sind bereits über 100 Jahre alt.
Drüben in der Dornbachhalle hat der Tag mit einem Gottesdienst begonnen. Die Ortsvereine gestalten ein Unterhaltungsprogramm und es gibt ein gemeinsames Mittagessen. Ein Rundgang durch Springen steht am Nachmittag an, schließlich haben die Einheimischen einiges zu zeigen und zu erzählen, nachdem die 2001 begonnene Dorferneuerung manche Veränderungen ermöglicht hat. Die Dornbachhalle hat zum Beispiel eine neue Fasson erhalten. Früher beherbergte der Bau einmal die Volksschule.
Der letzte Lehrer Springens ist ebenfalls zum Dorffest gekommen. Von 1956, als die damals neue Schule eingeweiht wurde, bis zu ihrer Auflösung 1968 unterrichtete Edwin Wagner in ihr. Anschließend wechselte der heute 81-Jährige als Realschullehrer nach Bad Schwalbach und lebt inzwischen in Singhofen. Springen und Kemel ist er auf andere Weise weiter verbunden: Seit 50 Jahren spielt er nämlich die Orgel in beiden Ortschaften.
Quelle: "Springen hat sich verändert" (Wiesbadener Tagblatt, 30.06.2009)
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